- Der 55-Grad-Test mit der alten Heizung
- Heizlast aus dem Gasverbrauch ableiten
- Heizkörper nachrechnen statt austauschen
- Ab welcher Jahresarbeitszahl es sich rechnet
Eine Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung für eine Wärmepumpe. Entscheidend ist eine einzige Größe: die Vorlauftemperatur, die das Gebäude am kältesten Tag des Jahres braucht. Liegt sie bei 55 Grad oder darunter, arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand mit einer Jahresarbeitszahl um 3,0 und schlägt Gas bei den Betriebskosten. Liegt sie bei 65 oder 70 Grad, wird es teuer, und zwar jedes Jahr aufs Neue.
Die gute Nachricht: Diese Frage lässt sich mit der vorhandenen Gasheizung beantworten, bevor irgendjemand ein Angebot schreibt. Der Test kostet nichts außer drei kalten Tagen Aufmerksamkeit.
Der 55-Grad-Test mit der alten Heizung
Der Ablauf ist simpel. Du brauchst eine Außentemperatur nahe der Normaußentemperatur deines Standorts, also je nach Region zwischen minus 10 und minus 14 Grad, zumindest aber einen Tag unter minus 5 Grad. Dann:
- Alle Thermostatventile im Haus vollständig öffnen, auch in Räumen, die sonst zu sind.
- An der Gastherme die Heizkurve so weit absenken, dass die Vorlauftemperatur bei der aktuellen Außentemperatur maximal 55 Grad erreicht. Die meisten Regler zeigen den Istwert im Display.
- Nachtabsenkung ausschalten, Warmwasserbereitung unverändert lassen.
- Zwei bis drei Tage laufen lassen und in jedem Raum die Temperatur messen, am besten mit einem einfachen Thermometer in Tischhöhe, nicht an der Außenwand.
Erreichen alle Wohnräume 20 bis 21 Grad und das Bad 23 Grad, ist das Gebäude wärmepumpentauglich. Bleibt ein einzelner Raum drei Grad zurück, ist dort der Heizkörper zu klein, nicht das Haus ungeeignet. Bleiben alle Räume zurück, muss zuerst die Gebäudehülle oder die gesamte Heizflächenausstattung ran.
Wichtig bei der Auswertung: Wird es bei minus 2 Grad Außentemperatur mit 55 Grad Vorlauf warm, heißt das noch nichts für minus 12 Grad. Rechne grob mit zwei Grad mehr Vorlauf je drei Grad kältere Außenluft, oder verschiebe den Test auf die nächste Kältewelle.
Heizlast aus dem Gasverbrauch ableiten
Parallel zum Temperaturtest brauchst du die Heizlast in Kilowatt. Die Norm-Heizlastberechnung nach DIN/TS 12831-1 macht der Fachbetrieb raumweise, für die Vorentscheidung reicht die Verbrauchsmethode:
Jahresgasverbrauch in Kubikmetern mal etwa 10 ergibt die Kilowattstunden. Davon den Warmwasseranteil abziehen, grob 800 kWh pro Person und Jahr. Den Rest mit dem Kesselnutzungsgrad multiplizieren, bei einem alten Niedertemperaturkessel rund 0,85. Das Ergebnis durch 1.800 bis 2.200 Vollbenutzungsstunden teilen.
Beispiel: 2.400 Kubikmeter Gas, drei Personen. 24.000 kWh minus 2.400 kWh Warmwasser sind 21.600 kWh, mal 0,85 ergibt 18.360 kWh Heizwärme, geteilt durch 2.000 Stunden sind 9,2 kW Heizlast. Für ein teilsaniertes Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern ein typischer Wert. Weicht das Ergebnis stark nach oben ab, etwa 18 kW bei 150 Quadratmetern, ist die Hülle das Problem und nicht die Wärmeerzeugung.
Heizkörper nachrechnen statt austauschen
Plattenheizkörper sind nach EN 442 bei 75/65/20 Grad geprüft, die Typenschilder und Herstellertabellen beziehen sich meist darauf. Bei 55 Grad Vorlauf und 45 Grad Rücklauf sinkt die Leistung desselben Körpers auf etwa 52 Prozent, bei der für Wärmepumpen typischen Spreizung von 5 Kelvin (55/50) auf rund 58 Prozent. Diese Halbierung ist die eigentliche Rechenaufgabe.
Praktisch heißt das: Ein Typ-22-Heizkörper mit 600 Millimetern Höhe und 1.200 Millimetern Länge liefert bei 75/65 rund 1,8 kW, bei 55/45 noch etwa 0,95 kW. Für einen Raum mit 0,8 kW Heizlast reicht das. Für ein großes Wohnzimmer mit 2 kW reicht es nicht.
Die günstigsten Hebel in dieser Reihenfolge: hydraulischer Abgleich mit voreinstellbaren Ventilen, Austausch einzelner zu kleiner Heizkörper gegen Typ 33 in gleicher Nischenbreite, Nachrüstung von Ventilatoren auf vorhandenen Körpern, erst danach ein Umbau auf Flächenheizung. Ein einzelner Heizkörpertausch kostet montiert meist 500 bis 1.200 Euro, inklusive Anpassung der Anschlüsse. Drei bis fünf getauschte Körper im Haus sind der Normalfall und deutlich billiger als eine größere Wärmepumpe mit schlechter Arbeitszahl.

Einrohrheizungen aus den 1970er Jahren sind der schwierigste Fall. Dort durchläuft ein Teil des Wassers alle Heizkörper nacheinander, die letzten im Strang bekommen deutlich kühleres Wasser. Hier hilft nur, den Volumenstrom zu erhöhen und die letzten Heizkörper deutlich zu vergrößern, oder den Strang auf Zweirohr umzubauen.
Ab welcher Jahresarbeitszahl es sich rechnet
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom entstehen. Pro Grad niedrigerer Vorlauftemperatur steigt die Effizienz um rund 2,5 Prozent. Realistisch im Bestand: JAZ 2,7 bis 3,0 bei 55 Grad Auslegung, 3,3 bis 3,8 bei 45 Grad, deutlich über 4 nur mit Flächenheizung und gedämmter Hülle. Die BEG-Förderung verlangt für Luft-Wasser-Wärmepumpen ohnehin einen rechnerischen Nachweis nach VDI 4650.
Der Break-even gegenüber Gas lässt sich in einem Satz berechnen: Die Wärmepumpe ist günstiger, sobald die JAZ größer ist als der Strompreis geteilt durch den Gaspreis, multipliziert mit dem Kesselnutzungsgrad. Bei 28 Cent Wärmepumpenstrom, 11 Cent Gas und Nutzungsgrad 0,85 liegt die Schwelle bei JAZ 2,16. Darüber sparst du, darunter zahlst du drauf.
| Auslegung | JAZ (typisch) | Strombedarf bei 21.000 kWh Wärme | Kosten bei 28 ct/kWh |
|---|---|---|---|
| 65 Grad Vorlauf | 2,3 | 9.130 kWh | rund 2.560 Euro |
| 55 Grad Vorlauf | 2,9 | 7.240 kWh | rund 2.030 Euro |
| 45 Grad Vorlauf | 3,5 | 6.000 kWh | rund 1.680 Euro |
| Gasbrennwert zum Vergleich | Nutzungsgrad 0,90 | 23.300 kWh Gas | rund 2.560 Euro bei 11 ct |
Zwei Dinge fehlen in dieser Tabelle und verschieben das Bild zugunsten der Wärmepumpe: Der CO2-Preis auf Erdgas steigt weiter und wird ab 2027 über den europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr gebildet, mit entsprechender Unsicherheit nach oben. Und für Wärmepumpen mit steuerbarer Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG gibt es reduzierte Netzentgelte, was separate Wärmepumpentarife spürbar unter den Haushaltsstrompreis drückt.
Investition und Förderquote
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Montage, Pufferspeicher, Warmwasserbereitung, hydraulischem Abgleich und Entsorgung der Altanlage liegt im Altbau üblicherweise bei 25.000 bis 40.000 Euro. Heizkörpertausch und Elektroarbeiten kommen dazu, Erdwärme mit Sonden liegt noch einmal deutlich darüber.

Gefördert wird über die KfW als Zuschuss. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent. Dazu kommen 20 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus beim Austausch einer alten funktionstüchtigen fossilen Heizung, 30 Prozent Einkommensbonus für selbstnutzende Eigentümer bis 40.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen und 5 Prozent Effizienzbonus für Erdreich, Wasser oder Abwasser als Wärmequelle beziehungsweise für ein natürliches Kältemittel. Gedeckelt ist die Summe auf 70 Prozent, die förderfähigen Kosten auf 30.000 Euro für die erste Wohneinheit im Einfamilienhaus. Maximal fließen also 21.000 Euro.
Reihenfolge nicht vertauschen: Erst den Liefer- und Leistungsvertrag mit aufschiebender Bedingung oder Kündigungsrecht abschließen, dann den Antrag stellen, dann bauen. Wer vorher beauftragt, verliert den Zuschuss. Förderbedingungen ändern sich, deshalb vor Antragstellung den aktuellen Stand bei der KfW oder über einen Energieeffizienz-Experten prüfen.
Wann die Antwort Nein lautet
Bei ungedämmter Fassade, einfachverglasten Fenstern und einer Heizlast über 120 Watt je Quadratmeter bringt der 55-Grad-Test kein brauchbares Ergebnis. Dort ist die Reihenfolge: Dachboden- und Kellerdeckendämmung, Fenster, dann Wärmeerzeuger. Beide Maßnahmen gleichzeitig zu planen, spart die zweite Anfahrt des Planers und verhindert, dass die Wärmepumpe auf eine Heizlast ausgelegt wird, die es nach der Dämmung nicht mehr gibt.
Der zweite Stopper ist der Schall. Für die Außeneinheit gilt die TA Lärm, im reinen Wohngebiet nachts 35 dB(A) am nächstgelegenen fremden Fenster. Bei schmalen Reihenhausgrundstücken mit drei Metern Abstand zur Nachbarwand ist das die kritische Größe, nicht die Technik. Hersteller geben Schallleistungspegel an, daraus lässt sich der Immissionspegel am Nachbargebäude rechnen. Diese Rechnung gehört vor die Unterschrift.
Checkliste vor dem ersten Angebot
- Gasverbrauch der letzten drei Jahre heraussuchen und die Heizlast überschlagen.
- 55-Grad-Test an mindestens drei zusammenhängenden kalten Tagen fahren, Raumtemperaturen notieren.
- Jeden Heizkörper aufnehmen: Typ, Höhe, Länge, Baujahr. Leistung bei 55/45 mit Faktor 0,52 aus der Normleistung ableiten.
- Räume markieren, in denen die Heizkörperleistung unter der Raumheizlast liegt, und die Tauschkosten einplanen.
- Aufstellort der Außeneinheit mit Abstand zur Nachbargrenze festlegen und den Schallpegel prüfen lassen.
- Zählerschrank und Hausanschluss ansehen lassen, Platz für Zähler und Steuerbox nach § 14a EnWG klären.
- Förderquote aus Grundförderung plus zutreffenden Boni bestimmen und den Eigenanteil gegen die jährliche Ersparnis rechnen.
- Erst dann Angebote einholen und darauf bestehen, dass die Auslegungstemperatur im Angebot steht, nicht nur die Kilowattzahl.



