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Regenwasserzisterne: Größe berechnen und Kosten im Blick

Die passende Zisternengröße ergibt sich aus Dachfläche, Jahresniederschlag und Abflussbeiwert, als Speicher reichen meist 3 bis 6 Kubikmeter. Hier stehen der Rechenweg, die Investitionskosten und die Frage, wann sich die Anlage wirklich amortisiert.

Von Redaktion Effizienzinstitut · 21. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Betonzisterne wird mit dem Kran in die ausgehobene Baugrube neben einem Neubau gesetzt
Das Wichtigste in Kürze
  1. Jahresniederschlag und Abflussbeiwert einsetzen
  2. Den Bedarf gegenrechnen
  3. Was die Anlage kostet
  4. Die Ersparnis fällt kleiner aus als gedacht
Themenfeld Bauen & Wohnen

Für ein normales Einfamilienhaus landet die Zisterne fast immer zwischen 3.000 und 6.000 Litern. Größer bringt selten mehr, weil der Speicher ohnehin nur ein paar Wochen Trockenheit überbrücken soll und nicht ein halbes Jahr. Die Rechnung dahinter besteht aus zwei Zahlen: wie viel Regen vom Dach ankommt und wie viel Betriebswasser im Haus und im Garten gebraucht wird. Der kleinere der beiden Werte bestimmt die Größe.

Die Formel für den Jahresertrag stammt aus der Normenwelt der Regenwassernutzung (DIN 1989 beziehungsweise DIN EN 16941-1) und sieht so aus:

Ertrag in Litern = Dachfläche (m²) × Jahresniederschlag (l/m²) × Abflussbeiwert × Filterwirkungsgrad

Entscheidend ist die projizierte Dachfläche, also die Grundfläche des Daches von oben gesehen, nicht die schräge Dachhaut. Ein Satteldach über einem Grundriss von 10 × 12 Metern hat 120 m² Auffangfläche, egal ob es 30 oder 45 Grad Neigung hat. Wer hier die Schrägfläche einsetzt, rechnet sich die Anlage um 15 bis 40 Prozent zu groß.

Jahresniederschlag und Abflussbeiwert einsetzen

Der Jahresniederschlag liegt im deutschen Mittel grob bei 700 bis 800 Litern pro Quadratmeter, die regionale Spanne ist aber erheblich: Im Regenschatten von Harz und Thüringer Wald sind es teils unter 500, im Bergischen Land, im Schwarzwald und im Alpenvorland deutlich über 1.000. Den Wert für den eigenen Ort liefert der Deutsche Wetterdienst über die langjährigen Mittel der nächstgelegenen Station. Nimm das Mittel, nicht das Rekordjahr.

Der Abflussbeiwert beschreibt, wie viel vom Niederschlag tatsächlich in der Fallleitung ankommt. Der Rest verdunstet, bleibt im Belag hängen oder benetzt die Oberfläche.

Dachart Abflussbeiwert
Ziegel-, Schiefer- oder Blechdach, geneigt 0,8
Flachdach mit Bitumen- oder Folienabdichtung 0,8
Flachdach mit Kiesschüttung 0,6
Extensives Gründach 0,3
Intensives Gründach 0,1 bis 0,2

Dazu kommt der Filterwirkungsgrad. Ein guter Fallrohr- oder Erdfilter leitet rund 90 Prozent weiter, 0,9 ist der übliche Rechenwert. Billige Filterkörbe mit grober Maschenweite verwerfen mehr, bei starkem Regen auch deutlich mehr.

Beispiel: 120 m² Ziegeldach, 750 l/m² Niederschlag, Beiwert 0,8, Filter 0,9. Das ergibt 120 × 750 × 0,8 × 0,9 = 64.800 Liter, also rund 65 Kubikmeter im Jahr.

Regenwasser läuft über die Dachrinne eines Ziegeldachs in das Fallrohr
Für die Rechnung zählt die Grundfläche des Daches, nicht die schräge Dachhaut.

Den Bedarf gegenrechnen

Jetzt die andere Seite. Diese Verbrauchswerte haben sich in der Praxis eingebürgert und decken sich mit den Zahlen des Branchenverbands der Wasserwirtschaft zum Pro-Kopf-Verbrauch:

  • WC-Spülung: 24 bis 36 Liter pro Person und Tag, je nach Spülkasten und Haushalt
  • Waschmaschine: rund 10 bis 12 Liter pro Person und Tag
  • Garten: etwa 60 Liter pro Quadratmeter und Jahr, bei Rasen und trockenen Sommern mehr
  • Putzwasser und Autowäsche: meist unter 2 Kubikmeter im Jahr, oft vernachlässigbar

Für vier Personen mit WC-Anschluss, Waschmaschine und 150 m² bewässerter Fläche: 4 × 30 l × 365 Tage = 43,8 m³ für das WC, 14,6 m³ für die Waschmaschine, 9 m³ für den Garten. Zusammen rund 67 Kubikmeter im Jahr.

Ertrag 65, Bedarf 67. Gerechnet wird mit dem kleineren Wert, hier also 65 m³. Die übliche Dimensionierungsregel setzt das Speichervolumen auf etwa 21 Tage Vorrat an, das sind 6 Prozent der Jahresmenge: 65.000 l × 21 ÷ 365 = rund 3.740 Liter. Mit dem Totraum unterhalb der Entnahme und etwas Reserve landet man bei einem Standardbehälter von 4.000 oder 5.000 Litern.

Wer nur den Garten versorgen will, kommt viel kleiner weg. Bei 9 m³ Jahresbedarf reicht rechnerisch ein Tank von 1.000 Litern, in der Praxis nimmt man 2.000 bis 3.000, weil die Entnahme sich auf wenige Wochen im Sommer ballt und der Speicher dann Puffer sein muss.

Was die Anlage kostet

Der Behälter ist der kleinere Posten. Ein Betonbehälter mit 5.000 Litern liegt je nach Region ungefähr bei 1.000 bis 1.800 Euro, ein Kunststoff-Flachtank in ähnlicher Größe etwas darunter, dafür mit aufwendigerer Verfüllung. Teurer wird der Rest:

Erdarbeiten mit Bagger, Kranstellung, Verfüllung und Entsorgung des Aushubs schlagen schnell mit 1.000 bis 2.500 Euro zu Buche, bei Grundwasser, Fels oder beengter Zufahrt deutlich mehr. Filter, Beruhigter Zulauf, Überlaufsiphon und Saugschlauch kosten einige hundert Euro. Für eine reine Gartennutzung genügt dann eine Saug- oder Tauchpumpe ab etwa 150 Euro.

Für die Hausnutzung kommt eine Hauswasserstation mit automatischer Trinkwassernachspeisung dazu, dazu ein zweites, farblich gekennzeichnetes Leitungsnetz zu WC und Waschmaschinenanschluss. Im Neubau sind das überschaubare Mehrkosten, im Bestand ist es die teuerste Position überhaupt. Unterm Strich: Gartenzisterne fertig installiert meist 2.000 bis 4.000 Euro, komplette Hausanlage im Neubau eher 4.500 bis 8.000 Euro.

Die Ersparnis fällt kleiner aus als gedacht

Hier liegt der Denkfehler, der die meisten Amortisationsrechnungen im Internet unbrauchbar macht. Trinkwasser kostet je nach Versorger etwa 1,50 bis 2,50 Euro pro Kubikmeter, Schmutzwasser 2 bis 3,50 Euro. Zusammen klingen 4 bis 6 Euro pro Kubikmeter nach viel.

Aber: Regenwasser, das durch WC und Waschmaschine läuft, landet im Kanal. Die Kommune erhebt darauf die Schmutzwassergebühr, in der Regel über einen eingebauten Zwischenzähler, der die eingespeiste Betriebswassermenge erfasst. Gespart wird also nur der Trinkwasserpreis. Nur beim Gartenwasser entfällt beides, und auch das nur, wenn ohnehin ein Gartenwasserzähler vorhanden wäre.

Der zweite Hebel ist die gesplittete Abwassergebühr. Viele Städte rechnen die versiegelte Fläche getrennt ab, mit Sätzen, die je nach Kommune etwa zwischen 0,30 und 1,90 Euro pro Quadratmeter und Jahr liegen. Ein Teil dieser Kommunen gewährt einen Nachlass oder eine Flächenanrechnung, wenn eine Zisterne mit gedrosseltem Überlauf oder Versickerung nachgewiesen wird. Ob und wie viel, steht in der örtlichen Entwässerungssatzung. Das ist der eine Anruf beim Tiefbauamt, der die gesamte Wirtschaftlichkeit kippen kann, in beide Richtungen.

Geöffneter Zisternenschacht mit Filtereinsatz, Zulauf und Pumpenschlauch
Der Filter braucht zweimal im Jahr eine Reinigung, bei bestreuten Dächern öfter.

Amortisation beim Einfamilienhaus

Für das Beispielhaus mit 65 m³ Jahresertrag: rund 130 Euro gesparte Trinkwasserkosten, dazu beim Gartenanteil ein paar Euro Abwasser. Davon abzuziehen sind der Pumpenstrom, grob 1 bis 1,5 kWh je Kubikmeter, also etwa 25 bis 35 Euro im Jahr, sowie Filterreinigung zweimal jährlich und Rücklagen für die Pumpe, die nach 10 bis 15 Jahren fällig wird. Netto bleiben ohne Gebührennachlass oft nur 90 bis 150 Euro im Jahr. Bei 6.000 Euro Investition reden wir über 40 Jahre und mehr.

Mit einem spürbaren Nachlass bei der Niederschlagswassergebühr und hohen örtlichen Wasserpreisen rutscht die Rechnung auf 15 bis 25 Jahre. Das ist der Bereich, in dem eine Hausanlage wirtschaftlich vertretbar ist.

Die klare Empfehlung für den Normalfall: Im Neubau einbauen, solange die Baugrube offen ist und die Leitungen im Rohbau verlegt werden können. Der Mehrpreis gegenüber einer reinen Gartenzisterne ist dann gering, die Anlage hält bei Beton 50 Jahre und mehr. Im Bestand dagegen lohnt das Nachrüsten eines zweiten Leitungsnetzes finanziell praktisch nie. Dort bleibt die Gartenzisterne die richtige Lösung, idealerweise im Zuge einer ohnehin anstehenden Hof- oder Gartensanierung.

Die Punkte, an denen es in der Praxis hakt

Eine Regenwassernutzungsanlage ist beim örtlichen Wasserversorger und beim Gesundheitsamt anzuzeigen, auch wenn sie nur WC und Waschmaschine speist. Betriebswasser- und Trinkwassernetz dürfen sich an keiner Stelle berühren, die Nachspeisung erfolgt ausschließlich über einen freien Auslauf nach DIN EN 1717. Alle Betriebswasserleitungen und Entnahmestellen müssen dauerhaft mit dem Hinweis gekennzeichnet sein, dass es sich nicht um Trinkwasser handelt. Wer das beim Verkauf des Hauses nicht nachweisen kann, bekommt Ärger.

Vor dem Bestellen des Behälters gehört geprüft:

  • Grundwasserstand und Bodenklasse, sonst fehlen Auftriebssicherung oder die Baugrube braucht eine Böschung
  • Zufahrt für Bagger und Kran, ein Betonbehälter mit 5.000 Litern wiegt mehrere Tonnen
  • Überlauf: Anschluss an den Kanal mit Rückstauverschluss oder Versickerung, die Versickerungsmulde braucht eigene Fläche und eine durchlässige Bodenschicht
  • Einbautiefe, damit der Deckel frostfrei und befahrbar oder begehbar ausgeführt werden kann
  • Satzung der Kommune zur Niederschlagswassergebühr und zu möglichen Zuschüssen

Nicht geeignet ist Regenwasser von Dächern mit unbeschichteten Kupfer-, Zink- oder Bleiflächen, wenn das Wasser versickert werden soll: Die ausgewaschenen Metalle belasten den Boden, einige Kommunen untersagen die Versickerung in diesem Fall ausdrücklich. Auch bei Bitumenschindeln mit Gesteinsbestreuung setzt sich der Filter schneller zu, dort gehört die Reinigung eher vierteljährlich als halbjährlich in den Kalender.

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Redaktion Effizienzinstitut

Wir recherchieren, was Betriebe und Haushalte effizienter macht, und schreiben es so auf, dass man es am Montag umsetzen kann.