Bei jedem Fensterkauf tauchen sie auf: drei kleine Buchstaben, die für viel mehr stehen, als sie auf den ersten Blick verraten. Uw, Ug und Uf bezeichnen drei unterschiedliche Wärmedurchgangskoeffizienten am Fenster — und nur einer von ihnen ist für GEG-Sanierung und BAFA-Förderung tatsächlich entscheidend. Wer die Unterschiede kennt, vergleicht Angebote richtig und vermeidet teure Fehlentscheidungen bei der nächsten Sanierung.
Kurz erklärt
- Uw = U-Wert des ganzen Fensters (Window) — der für GEG und Förderung relevante Wert.
- Ug = U-Wert nur der Verglasung (Glass) — sagt nichts über den Rahmen aus.
- Uf = U-Wert nur des Rahmens (Frame) — entscheidet zu rund 30 % über den Gesamt-Uw mit.
- Berechnungsgrundlage ist DIN EN ISO 10077-1; der Rahmen-Uf wird nach DIN EN ISO 10077-2 ermittelt.
- BAFA-Förderung 2026 verlangt Uw ≤ 0,95 W/(m²·K) — gemessen am gesamten Fenster, nicht am Glas allein.
Was ist der Unterschied zwischen Uw, Ug und Uf?
Uw misst den gesamten Fensterquerschnitt inklusive Rahmen, Verglasung und Randverbund. Ug misst nur die Verglasung. Uf misst nur den Rahmen. Für Förderung und Gesetz zählt ausschließlich Uw.
Der kleine Buchstabe nach dem U steht für den Bauteilbereich: w für „window“, g für „glass“, f für „frame“. Das ist nicht nur eine technische Spielerei — die drei Werte können stark auseinanderlaufen. Beispiel: Ein modernes 3-fach-Wärmedämmglas erreicht Ug 0,5 W/(m²·K), kombiniert mit einem hochwertigen 6-Kammer-PVC-Profil mit Uf 1,1 W/(m²·K) ergibt das einen Uw-Wert von etwa 0,90 W/(m²·K). Wer nur den Glaswert (Ug 0,5) bewirbt, suggeriert deutlich bessere Werte als das Fenster tatsächlich erreicht. Genau deshalb verlangt das Gebäudeenergiegesetz und auch die BAFA in den Förderbedingungen den Uw-Wert — also den Gesamt-Wärmedurchgangskoeffizienten. Wer in Angeboten nur einen „U-Wert von 0,5“ liest, sollte explizit nachfragen: Welcher Wert ist gemeint? Beim seriösen Anbieter steht im Datenblatt immer der Uw-Wert.
Wie wird der Uw-Wert berechnet?
Der Uw-Wert ist eine flächengewichtete Mittelung aus Verglasungs-Ug-Wert, Rahmen-Uf-Wert und einem Randverbund-Wert Ψ (Psi). Berechnungsgrundlage ist DIN EN ISO 10077-1.
Die Formel sieht komplex aus, lässt sich aber an einem Beispiel klar machen: Bei einem Standardfenster (120×140 cm) entfallen rund 70 Prozent der Fläche auf das Glas und 30 Prozent auf den Rahmen. Bei Ug 0,5 und Uf 1,1 ergibt die flächengewichtete Mittelung zunächst etwa 0,68 W/(m²·K). Hinzu kommt der Randverbund-Wert: Der Abstandhalter zwischen den Glasscheiben (Stahl-Abstandhalter mit Wärmebrücken-Effekt oder Warm-Edge-Abstandhalter aus Kunststoff) beeinflusst die Wärmeleitung am Glasrand erheblich. Ψ (Psi) liegt bei klassischen Stahl-Abstandhaltern um 0,06 W/(m·K), bei modernen Warm-Edge-Systemen wie TGI oder Swisspacer Ultimate bei 0,03 W/(m·K). Dieser Wert wird über die Glaskante (Umfangslänge) ins Ergebnis eingerechnet — und kann den Uw-Wert um 0,05 bis 0,10 W/(m²·K) verändern. Bei großen Fenstern mit viel Glas wirkt der Randverbund weniger stark, bei kleinen Fenstern stärker.
Welche Rolle spielt der Rahmen-Uf-Wert?
Der Rahmen-Uf-Wert beeinflusst den Gesamt-Uw bei einem Standardfenster mit rund 30 Prozent — beim kleineren Fenster mehr, beim großen Fenster weniger. Schlechte Rahmen ruinieren auch das beste Glas.
Der Uf-Wert wird nach DIN EN ISO 10077-2 in einer thermischen Simulation des Profilquerschnitts ermittelt. Geprüft wird normalerweise vom ift Rosenheim oder einem anderen anerkannten Prüfinstitut. Werte unter 1,0 W/(m²·K) gelten als Passivhaus-tauglich, Werte um 1,3 sind moderner Standard, alles über 1,6 W/(m²·K) bedeutet veraltetes Profil. Praktisch verarbeiten regionale Fensterbau-Betriebe wie die Josef Büers GmbH aus Lünne im südlichen Emsland REHAU-Profile (GENEO mit Uf 0,79 W/(m²·K), SYNEGO mit Uf 0,94 W/(m²·K)) — beide deutlich besser als der Marktstandard. In Kombination mit 3-fach-Wärmedämmglas (Ug 0,5) und Warm-Edge-Randverbund ergibt das Uw-Werte zwischen 0,73 und 0,90 W/(m²·K) — weit unter der BAFA-Förderschwelle von 0,95 W/(m²·K). Für die Förder-Fachunternehmererklärung ist genau dieser dokumentierte Uw-Wert maßgeblich; das ift-Rosenheim-Prüfzeugnis liefert die Basis. Wer in Bestandsbauten saniert, sollte vom Verarbeiter immer das aktuelle Prüfzeugnis des verbauten Profils einsehen — branchenüblich wird dieses Dokument mit der Auftragsbestätigung übermittelt.
| Kennwert | Was wird gemessen? | Norm | Typische Spanne 2026 |
|---|---|---|---|
| Uw-Wert | Gesamtes Fenster (Rahmen + Glas + Randverbund) | DIN EN ISO 10077-1 | 0,73–1,30 W/(m²·K) |
| Ug-Wert | Nur die Verglasung | DIN EN 673 | 0,40–1,10 W/(m²·K) |
| Uf-Wert | Nur der Rahmen-Querschnitt | DIN EN ISO 10077-2 | 0,79–1,60 W/(m²·K) |
| Ψ (Psi)-Wert | Randverbund (Abstandhalter) | DIN EN ISO 10077-1 | 0,03–0,08 W/(m·K) |
| UD-Wert | Außentür komplett (Door) | DIN EN 14351-1 | 0,85–1,80 W/(m²·K) |
Welche Werte verlangt das GEG 2024 und die BAFA-Förderung 2026?
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024) fordert bei Fenstertausch im Bestand maximal Uw 1,3 W/(m²·K). Die BAFA-Förderung 2026 verlangt deutlich strenger Uw ≤ 0,95 W/(m²·K).
Diese Lücke zwischen Mindeststandard und Förderschwelle ist 2026 entscheidend für jede Sanierungsplanung. Wer den Mindeststandard einhält, erfüllt das Gesetz — bekommt aber keinen Förderzuschuss. Wer dagegen Uw 0,95 oder besser verbaut, kann über die BAFA-BEG-Einzelmaßnahmen 15 bis 20 Prozent Zuschuss erhalten. Maximale förderfähige Kosten: 30.000 Euro pro Wohneinheit ohne iSFP, 60.000 Euro mit individuellem Sanierungsfahrplan. Modern verarbeitete 6-Kammer-PVC-Profile mit 3-fach-Verglasung erreichen Uw ≤ 0,95 W/(m²·K) inzwischen problemlos — branchenüblich werden 2026 rund 90 Prozent der neu verbauten Privatfenster im förderfähigen Bereich geliefert. Für Dachfenster gilt eine eigene Förderschwelle: Uw ≤ 1,0 W/(m²·K). Außentüren werden mit dem UD-Wert beurteilt, hier liegt die BAFA-Schwelle bei UD ≤ 1,2 W/(m²·K).
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Einführung in die Uw-, Ug- und Uf-Werte und ersetzt keine individuelle Energieberatung. Konkrete Werte können je nach Hersteller, Profilgeneration, Glasaufbau und Einbau-Situation variieren. Für eine BAFA-Förderzusage ist immer die Fachunternehmererklärung des ausführenden Fensterbauers mit den dokumentierten Werten des konkret verbauten Fensters maßgeblich. Eingebunden werden muss ein zertifizierter Energieberater von der dena-Expertenliste.
FAQ
Was ist besser — ein Fenster mit Uw 0,8 oder ein Fenster mit Ug 0,5?
Die Werte sind nicht direkt vergleichbar. Uw 0,8 ist die Aussage zum gesamten Fenster und der relevante Förderkennwert. Ug 0,5 sagt nur etwas über das Glas aus — das Fenster könnte trotzdem einen schlechten Uf-Wert haben und damit insgesamt nur Uw 1,0 erreichen. Achten Sie immer auf den Uw-Wert.
Welcher Uw-Wert ist 2026 für Neubau und Sanierung sinnvoll?
Für GEG-konforme Sanierung mindestens Uw ≤ 1,3 W/(m²·K). Für BAFA-Förderung Uw ≤ 0,95. Für KfW-Effizienzhaus 55 wird Uw ≤ 0,85 empfohlen, für KfW 40 Uw ≤ 0,80. Im Neubau lohnt die Investition in Uw 0,75 — Mehrkosten gegenüber Standard 100 bis 200 Euro pro Fenster, amortisiert sich über 6 bis 12 Jahre Heizkosteneinsparung.
Was bedeutet „Warm-Edge“-Randverbund?
Warm-Edge bezeichnet den Glas-Abstandhalter aus Kunststoff oder Edelstahl (nicht aus Aluminium oder Stahl). Marken wie Swisspacer Ultimate, TGI oder Chromatech Ultra liefern Ψ-Werte um 0,03 W/(m·K) — gegenüber 0,06 bei klassischen Stahl-Abstandhaltern. Das senkt den Uw-Wert um typisch 0,05 bis 0,08 W/(m²·K).
Kann der Uw-Wert auch zu niedrig sein?
Bei einem schlecht gedämmten Altbau mit Uw 0,75 im Fenster und gleichzeitig Uw 2,0 in der Wand verschiebt sich der Taupunkt auf die Wandfläche — Schimmelgefahr droht. Ein Energieberater prüft das Verhältnis und empfiehlt ggf. eine Fassadendämmung parallel. Faustregel: Die Wand sollte nie deutlich schlechter dämmen als das Fenster.
Wo finde ich den exakten Uw-Wert meines geplanten Fensters?
Im ift-Rosenheim-Prüfzeugnis oder im Datenblatt des Profilherstellers. Seriöse Fensterbauer übergeben das mit jeder Auftragsbestätigung. Vorsicht bei Anbietern, die nur „U-Wert besser als 1,0“ ohne konkrete Zahl angeben — fragen Sie immer nach dem exakten Uw-Wert in W/(m²·K).
Fazit
Uw, Ug und Uf bezeichnen drei verschiedene Wärmedurchgangskoeffizienten am Fenster — und nur Uw zählt für Gesetz und Förderung. Der Wert wird nach DIN EN ISO 10077-1 als flächengewichteter Mittelwert aus Verglasung (Ug), Rahmen (Uf) und Randverbund (Ψ) berechnet. Wer 2026 saniert, sollte sich nicht von werbewirksamen Ug-Werten allein blenden lassen — ein schlechter Rahmen ruiniert auch das beste Glas. Für die BAFA-Förderung muss der Uw-Wert mindestens 0,95 W/(m²·K) erreichen, für KfW-Effizienzhaus-Standards entsprechend strenger. Moderne 6-Kammer-PVC-Profile mit 3-fach-Wärmedämmverglasung und Warm-Edge-Randverbund liegen branchenüblich zwischen 0,73 und 0,90 W/(m²·K). Wichtigster praktischer Tipp: Vom Anbieter immer das ift-Rosenheim-Prüfzeugnis und den konkreten Uw-Wert verlangen. Pauschale Versprechen ohne dokumentierten Nachweis taugen für die spätere BAFA-Abrechnung nicht.
Quellen
- DIN EN ISO 10077-1 — Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten für Fenster
- DIN EN ISO 10077-2 — Numerische Verfahren für Rahmen
- DIN EN 673 — Bestimmung des Wärmedurchgangskoeffizienten Ug für Verglasungen
- DIN EN 14351-1 — Fenster und Außentüren, Produktnorm
- ift Rosenheim — Prüf- und Forschungsinstitut für Fenster, Fassaden und Bauteile
- Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Förderrichtlinien BEG EM 2026
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), GEG 2024
Stand: 2. April 2026











